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Technik und Umgang mit Fotografie – Rudolf Pils Fotoseite

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Technik und Umgang mit Fotografie – Rudolf Pils Fotoseite

🪴 Was ich mir denke?
  Zwischen Kamera, Natur und Alltag entstehen Gedanken.   Nicht immer tiefgründig – aber immer von mir 😉

Gedanken zur Entscheidung und zum Anspruch
Stell dir vor: Du bist in einer sanften, leicht nebelverhangenen Landschaft.
Die Stimmung ist ruhig, fast mystisch.
Die Farben gedämpft, das Licht zurückhaltend, aber eindrucksvoll.
Du zückst dein Smartphone. Du machst Bilder. Sie sind okay – Momentaufnahmen. Aber dieses Licht, diese Tiefe, die stille Struktur? Sie bleiben weitgehend ungenutzt.

Für mich bedeutet gute Fotografie, vorbereitet zu sein.

Die beste Kamera ist nicht die, die zufällig verfügbar ist – sondern die, mit der sich ein Eindruck in seiner ganzen Wirkung einfangen lässt.
Technik allein reicht nicht, aber ohne Qualität wird der Moment flüchtig.

Fotografie ist Haltung. Wer wirklich sehen will, ist bereit. Immer.

Wohl kaum.

APS-C ist meist günstiger in der Anschaffung und bringt weniger Gewicht mit sich. Vollformat wirkt oft wie die „höherwertige“ Lösung, bietet (meist) ausgefeiltere Technik und ist in der Regel schwerer und teurer.

Doch was bedeutet „höherwertig“?

Der oft zitierte „Vollformat-Look“ existiert per se nicht. Es ist kein Stil, sondern ein physikalisches Ergebnis: größere Sensorfläche bei gleicher Blende ergibt geringere Tiefenschärfe. Aber die Freistellung – das gezielte Spiel mit Schärfe und Unschärfe – gelingt mit APS-C genauso. Es braucht dann lediglich lichtstärkere Objektive. Das ist keine Einschränkung, sondern eine gestalterische Entscheidung.

Professionelle Fotografie hängt nicht an der Sensorgröße. Sondern am Auge, am Licht, am Gedanken hinter dem Bild.

Wer Fotografie nicht als Statement betrachtet, fragt nicht nach dem Format.

(Diese APS-C Aufnahme mit einer SONY Alpha 6500 veranschaulicht, dass man vom Bild aus nicht feststellen kann, dass dies eine "kleine" APS-C Aufnahme ist)

Die Kameras mit Wechselobjektiven sind technisch heute alle auf hohem Niveau. Die Unterschiede liegen weniger im Können – sondern in der Wirkung. Wer fotografiert, kommuniziert. Nicht nur mit dem Bild, sondern bereits mit dem Gerät.

Eine große Kamera wie die Nikon Z8 fällt auf. Menschen reagieren zurückhaltend, skeptisch, manchmal abwehrend. Großes Objektiv heißt oft: „Achtung, hier wird ernsthaft fotografiert!“

Mit kleinen Kameras – Ricoh GR, Fuji X70, Leica Q – ist die Reaktion anders: „Oh, wie nett – das kann ja nichts Schlimmes sein.“ Die Kamera beruhigt oder beunruhigt. Sie ist Signal und Haltung zugleich.

Wer Streetfotografie betreibt, weiß: Das Werkzeug prägt die Begegnung. Nicht die Technik entscheidet. Sondern der Mensch, der sie einsetzt. Und das, was die Kamera über ihn mitteilt.

Die Kamera ist nicht nur Technik. Sie ist Botschaft.

Genau genommen sind Schwarzweißbilder natürlich Graubilder – denn ganz ohne Abstufungen wäre das Ergebnis recht dürftig.
Aber der Gedanke bleibt: Warum nicht einfach einmal alles Bunte weglassen?
Meine Haltung dazu: Zuviel Bunt ist ungesunt.

Der Mensch ist ein Augentier. Farbe begleitet uns durch den Alltag, durch jede Stimmung, jedes Gefühl. Wenn Farbe fehlt, fehlt uns oft auch das Zusammenspiel – die Harmonie zwischen Ton und Kontrast, zwischen Wärme und Kühle, zwischen den Komplementärfarben und all ihren Zwischentönen.

Deshalb ist ein Bild in Schwarzweiß für mich keine Standardwahl, sondern ein Ausnahmefall. Ich habe genau zwei bis vier solcher Bilder. Sie passen – gelegentlich – zur Stimmung. Dann lasse ich Farbe weg, weil das Motiv sie nicht braucht. Oder weil ich sie gerade nicht will.

Aber grundsätzlich gilt: Ich verwende Farbe intensiv. Aber sparsam.
Nicht alles braucht Knall. Manches braucht Klarheit. Und manchmal reicht ein ganz sanfter Ton, der sich zwischen Schwarz und Weiß bewegt.

Ich vergleiche die Pixelanzahl bei Bildern gerne mit der PS-Zahl von Autos:
Was brauche ich mindestens? Genug, um sicher unterwegs zu sein – bei Autos wie bei Kameras.
Was ist empfehlenswert? So viel, dass man auch mal zügig überholen kann – oder ein Bild großzügig beschneiden.
Und was ist Luxus oder Liebhaberei? Dinge, die man sich gönnt, weil man sie mag – nicht weil man sie braucht.

Ähnlich verhält es sich mit der Pixelanzahl bei Bildern:
Absolut notwendig finde ich 12–15 Megapixel – das reicht für gute Fotos.
Sinnvoll sind 24–36 Megapixel – damit lässt sich flexibel arbeiten.
Gerade noch tragbar sind 36–45 Megapixel – das bringt Vorteile, aber auch Aufwand.
Alles darüber ist für mich Luxus oder Liebhaberei – schön, wenn man es sich leisten kann, aber nicht zwingend nötig.

Bei Autos und Bildern zählt weniger die Stärke / Pixelanzahl, sonder wie man damit umgeht.

Ich habe nichts zu verschenken, - ich fotografiere RAW.
Wenn ich in RAW fotografiere, entscheide ich mich gegen das Fertige und für das Offene. Es ist ein Dialog mit dem Licht: Du bekommst alles – Schatten, Details, Tiefe. Aber du musst zuhören.
JPEG mag bequem sein und moderne Kameras bearbeiten diese sehr gut. ---auf eine Weise, die ich wenig beeinflussen kann.
RAW hingegen ist ein Gespräch. Und ich bin bereit, zuzuhören.
Ich habe nichts zu verschenken, ich fotografiere in RAW.

Was manche als überflüssige Datenflut sehen, ist für mich der vollständige Abdruck eines Moments. RAW zeigt alles – das Licht, das nicht perfekt war, den Schatten, den man hätte vermeiden können, und die Tiefe, die erst durch Nachdenken entsteht.

JPEG ist bequem. Es ist wie ein fertiger Satz, glatt und präsentierbar. Aber RAW? RAW ist der Gedanke davor, das Innenleben des Bildes. Es fordert mich heraus, verlangt Entscheidung und Hingabe.

Fotografieren in RAW heißt, Verantwortung zu übernehmen – für jedes Detail, für jeden Kontrast, für jede Nuance, die das Bild erzählen kann. Ich verschenke keine Information, keine Emotion – ich behalte sie, um sie später BEWUSST zu formen.

"Ich habe das Foto so gemacht, wie es gewesen ist. Es war halt so".
Ein Satz, den ich schon oft gehört habe – meist als Rechtfertigung für eine mindere Bildqualität.

Was dabei übersehen wird: Bei der Umwandlung vom Sensor ins JPEG werden Höhen zurückgenommen, Tiefen angehoben, Glättungen vorgenommen.
Das hat mit dem, was man tatsächlich gesehen hat, nur wenig zu tun.

Natürlich folgt auch die Verarbeitung einer RAW-Datei einem gewissen Vorgehen.
Aber sie geschieht bewusst – bis der Eindruck entsteht, dass man das fertige Bild geschaffen hat, so wie man es gesehen oder empfunden hat.

Für mich ist dieses Bild ehrlich.

P.S.: solltest du eine wirklich hochwertige Kamera besitzen, dann ist die JPG-Entwicklung fast auf dem Neveau einer eigenen Bearbeitung. Die renommierten Kamera-Hersteller haben sehr viel in die Entwicklung entsprechender Algorithmen verwendet.

Wir lernen, wie man ein Bild baut: Drittelregel, goldener Schnitt, klare Linien. Nicht zu viel Information, nicht zu viel Himmel bei schlechtem Wetter, nicht zu wenig Boden bei gutem. Es gibt Faustregeln für fast alles.

Aber manchmal spricht ein Bild zu mir, das sich an keine Regel hält. Der Baumstamm steht zu mittig. Das Gestrüpp ist unruhig. Und doch liebe ich dieses Bild.

Es ist nicht sauber komponiert – aber es spricht. Die Unordnung rahmt den Stamm, das Chaos schafft Tiefe, und das Nicht-perfekte wirkt wie ein Echo der Wirklichkeit.

Vielleicht braucht Komposition Regel – damit man weiß, wann es sich lohnt, sie zu brechen.

Ohne Licht ist nichts. Mit Licht aber ist alles möglich.

Sogar ein Bild ohne erkennbares Zentrum kann durch Licht zur Magie werden – einer Magie, der man sich schwer entziehen kann.

Fotografie bedeutet ja: Malen mit Licht. Also: Sucht das Licht – dann findet ihr Bilder.

Und aus diesen Bildern werden Fotos. Fotos, die man nicht nur betrachtet, sondern in sich aufnimmt. Weil sie Raum lassen – für eigene Gedanken, Erinnerungen und Antworten.

Du fotografierst – also kümmer dich auch um deine Bilder. Sortieren statt horten. Behalten statt versinken. Mach Schluss mit Ordnern voller „IMG_8372_final_3_neu_really_final.jpg“.

Wähle aus, was wirklich zählt. Leg Ordner mit Namen an, die man versteht – auch nächstes Jahr noch. Sichere deine Schätze. Und lösche ruhig mal beherzt: Drei Varianten desselben Motivs sind schon zwei zu viel.

Du wirst es dir selbst danken. Denn wer Ordnung hält, findet schneller – und zeigt Respekt vor dem eigenen Blick.

Die Fotografen brauchen die Knipser, um sich von der Masse abheben zu können. Sonst wäre ja wieder alles nur Einheitsbrei.

Nun aber zu meinen Gedanken dazu:
Manchmal sehe ich Menschen, die mit dem Smartphone in der Hand durch die Natur eilen. Klick. Klick. Klick. Ein Baum, ein Hund, ein Sonnenuntergang. Alles wird festgehalten – aber nichts wirklich gesehen.

Ich frage mich dann: Ist das noch Fotografie? Oder ist es nur das Sammeln von Pixeln?

Für mich beginnt Fotografie nicht mit dem Auslöser, sondern mit dem Innehalten. Mit dem Moment, in dem ich spüre: Hier ist etwas. Etwas, das es wert ist, betrachtet, verstanden und gestaltet zu werden. Ich überlege: Welcher Ausschnitt? Welches Licht? Welche Geschichte?



Das heißt nicht, dass das eine besser ist als das andere. Aber es ist anders. Und manchmal wünsche ich mir, dass wir wieder mehr fotografieren – und weniger knipsen.

Zweifel gehören dazu. Nicht die großen existenziellen – sondern die kleinen, die beim Fotografieren auftauchen: Ist das Bild gut genug? Habe ich das gezeigt, was ich zeigen wollte? Oder nur das, was technisch möglich war?

Fotografie ist Entscheidung. Und jede Entscheidung ist ein Abwägen. Zwischen Technik und Gefühl. Zwischen dem, was man sieht – und dem, was man zeigen will.

📷 Zweifeln heißt: Ich nehme mein Bild ernst.

Wer nie zweifelt, bleibt stehen. Denn Zweifel bringen uns weiter. Sie machen uns aufmerksam. Sie lassen uns genauer hinschauen. Und manchmal auch loslassen.

Natürlich denkt man ans Publikum. Gefällt das Bild? Wird es verstanden? Aber wichtiger ist: Passt es zu mir? Wenn ein Bild Bestand haben soll, dann nicht, weil es perfekt ist – sondern weil es ehrlich ist.

💡 Technik hilft. Haltung entscheidet.

In dieser Rubrik geht’s nicht nur um Sensorgrößen oder Dateiformate. Sondern auch um das, was zwischen den Bildern liegt: Gedanken, Unsicherheiten, Entscheidungen. Und manchmal eben auch Zweifel.

Denn wer nicht zweifelt, kommt nicht weiter.
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